Warum gerade Altbauten der 60er- und 70er-Jahre?
Asbest war von den 1950er- bis Anfang der 1990er-Jahre einer der am häufigsten verbauten Werkstoffe im deutschen Bauwesen. Erst 1993 wurde Asbest in Deutschland verboten, seit 2005 gilt das Verbot EU-weit. Wer also ein Gebäude besitzt oder bewohnt, das vor 1995 errichtet wurde, sollte mit Asbest-Vorkommen rechnen. Die kritischste Bauphase ist 1960 bis 1985 — hier wurde der Werkstoff massiv und in nahezu allen Bauteilkategorien verwendet.
Das Tückische: Asbest ist optisch nicht sicher zu erkennen. Eternit-Wellplatten sehen heute oft so aus wie ihre asbestfreien Nachfolger; Floor-Flex-Beläge unterscheiden sich von normalem Vinyl-Boden nur in Nuancen. Sicherheit gibt nur eine Materialprobe durch ein akkreditiertes Sachverständigenbüro — und genau das empfehlen wir vor jeder Modernisierung.
Im Folgenden zeigen wir die neun typischen Stellen, an denen wir in der Region Stuttgart bei Bestandsbauten regelmäßig Asbest finden. Die Liste hilft beim ersten Verdachtsabgleich; sie ersetzt nicht die fachliche Begehung durch eine TRGS-519-zertifizierte Firma wie KACE Concepts.
9 typische Stellen, an denen Asbest verbaut wurde
1. Eternit-Dachplatten
Wellplatten und Schiefer-Imitate aus Asbestzement, vor allem auf Garagen, Schuppen, Carports und kleineren Dachflächen. Alter zwischen 1960 und 1990. Erkennungsmerkmal: relativ leicht, hart, mit charakteristischer Wellenstruktur. Bei Berührung darf nichts abplatzen — bröckelnde Eternitplatten sind ein akutes Problem.
2. Fassadenplatten
Asbestzement-Fassadenplatten in Stoß- oder Schindel-Optik wurden an vielen Wohngebäuden zwischen 1965 und 1985 verbaut. Häufig auf Reihenhäusern, kleinen Mehrfamilienhäusern und Gewerbebauten zu finden. Heute bei Sanierungen ein Standard-TRGS-519-Fall.
3. Floor-Flex-Bodenplatten
Quadratische Bodenplatten (typisch 25×25 cm), oft beige, grau oder schwarz marmoriert, manchmal Mosaikoptik. Sehr häufig in Küchen, Bädern, Fluren und Treppenhäusern zwischen 1960 und 1985. Gefährlich wird's, wenn Platten brechen oder der dunkle Bitumen-Kleber freigelegt wird — letzterer enthält ebenfalls Asbest und ist teilweise schwierig zu entfernen.
4. Nachtspeicheröfen vor 1977
Nachtspeicher, die vor 1977 produziert wurden, enthalten häufig asbesthaltige Innen-Isoliermatten. Erkennen kann man sie an Typenschildern und Baujahres-Markierungen. Ausbau und Entsorgung gehören zwingend in die Hände einer TRGS-519-Firma.
5. Rohrisolierungen
Alte Heizungs- und Warmwasserrohre, vor allem im Keller, in Kriechräumen und in Schächten, wurden bis Ende der 1980er-Jahre häufig mit asbesthaltigen Schalen oder Spritzasbest isoliert. Tückisch: Spritzasbest gibt bei jedem Eingriff Fasern frei — daher absolutes Berührungsverbot bei Verdacht.
6. Fensterbänke und Fensterzargen
Außenfensterbänke aus Asbestzement, manchmal auch Innen-Fensterzargen, wurden zwischen 1960 und 1980 vor allem in Mehrfamilienhäusern verbaut. Sind oft glatt und heller Beton-Optik.
7. Fliesenkleber und Fugenmassen
Hier wird's heikel: Fliesenkleber (vor allem die schwarzen Bitumen-haltigen Sorten vor 1990) und manche Dichtmassen enthalten Asbest. Bei der Entfernung von alten Fliesen wird das Material mechanisch bearbeitet — entsprechend hoch die Faserfreisetzung.
8. Brandschutzplatten an Stahlträgern
In gewerblichen und industriellen Gebäuden findet sich Asbest häufig in Brandschutz-Verkleidungen an Stahlträgern und Stahlstützen. Manchmal auch in abgehängten Decken zwischen Geschossen.
9. Lüftungsschächte und Kaminwangen
Asbestpappen und -platten als Innenauskleidung von Lüftungsschächten, Schornstein-Verbindungen und Brandschutz-Wangen. Im Wohnungsbestand der 60er- und 70er-Jahre weit verbreitet.
So erkennen Sie typische Materialien optisch
Achtung: Diese visuellen Hinweise sind nur eine erste Orientierung. Sicherheit gibt nur die Materialprobe.
- Eternit-Wellplatten: matter, leicht raue Oberfläche, charakteristische Wellenstruktur, oft grauer Grundton mit Verwitterungsspuren
- Floor-Flex-Platten: quadratisch, marmorierte Optik, leicht spröde an Kanten, oft unter neueren Teppichbelägen versteckt
- Asbestzement-Fassaden: glatt bis leicht rau, gleichmäßige Plattengröße, oft in Schindel- oder Stoßmuster verlegt
- Spritzasbest: weich, faserig, oft beige oder grauweiß, an Decken und Stahlträgern aufgesprüht — bei Berührung pudrig
Was tun bei Verdacht?
- Material nicht anbohren, zerschneiden oder entsorgen. Jede mechanische Bearbeitung setzt Fasern frei.
- Abstand halten und absperren. Falls möglich, den Bereich vorübergehend nicht nutzen.
- Materialprobe durch akkreditiertes Labor. Wir vermitteln den Kontakt — die Probe selbst kostet typischerweise zwischen 50 und 150 Euro pro Stelle, das schriftliche Gutachten kommt binnen ein bis zwei Wochen.
- Sanierung durch TRGS-519-Fachbetrieb. Eigeninitiative ist in den allermeisten Fällen nicht zulässig und immer gesundheitsgefährlich.
Wichtig: Diese Liste ersetzt keine fachliche Begehung. Wer einen Verdacht hat, sollte sich an einen TRGS-519-zertifizierten Sanierungsbetrieb wie KACE Concepts wenden.
Asbest-Erkennungs-Checkliste als PDF
Wir haben eine kompakte Checkliste mit 9 bis 15 typischen Asbest-Stellen erstellt — ohne Email-Eingabe direkt herunterladbar:
→ Asbest-Checkliste als PDF kostenlos herunterladen
Die Checkliste hilft beim Erstabgleich. Sanierung gehört in die Hände eines TRGS-519-Fachbetriebs.
Gesetzlicher Rahmen: TRGS 519 und Anzeigepflicht
Asbestsanierung ist in Deutschland streng reguliert. Die zentrale Vorschrift ist die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 519. Sie regelt, wer ASI-Tätigkeiten ausführen darf (Sachkundenachweis), welche Schutzmaßnahmen verbindlich sind (Schwarz-Weiß-Trennung, Vollschutzanzug Kategorie III, P3-Atemschutz), wie die Anzeigepflicht beim zuständigen Regierungspräsidium aussieht (typischerweise 14 Tage Vorlauf) und wie die Entsorgung dokumentiert werden muss.
Hinzu kommt die Gerätefachkunde nach TRGS 519 Nr. 2.16 — eine Spezialschulung für den Umgang mit asbestspezifischen Schutz- und Absauggeräten. Beide Sachkunden hat KACE Concepts dokumentiert, beide werden auf Anfrage vor Auftragserteilung gezeigt.
Was kostet eine Schadstoff-Voruntersuchung?
Ein qualifiziertes Schadstoffgutachten ist die wichtigste Investition vor jedem Bestandsbau-Projekt — es ersetzt das Raten und schafft die Basis für ein verlässliches Festpreis-Angebot.
In der Praxis lohnt sich das Gutachten praktisch immer: ein nicht erkannter Asbestbefund während laufender Bauarbeiten kostet typischerweise das Zehnfache des Gutachtens — Stillstand, Dekontamination, Anzeige-Verfahren, Sanierungs-Nacharbeit.
Häufige Fragen zu Asbest in Altbauten
Bin ich verpflichtet, vor einer Modernisierung auf Asbest zu prüfen?
Bei Bestandsbauten vor 1993 verpflichtet die GefStoffV §6 Abs. 1 zur Gefährdungsbeurteilung — das heißt: vor Tätigkeiten an Materialien mit möglicher Asbest-Exposition muss der Auftraggeber bzw. der ausführende Betrieb prüfen, ob Asbest vorhanden ist. Bei Wohngebäuden zwischen 1950 und 1993 ist eine Schadstoff-Voruntersuchung de facto unumgänglich.
Kann ich Asbest selbst entfernen?
Privatpersonen dürfen begrenzte Mengen festgebundenen Asbests (Eternit-Dachplatten unter 35 kg pro Vorgang) mit besonderer Sorgfalt selbst entfernen — aber nur nach BG-BAU-Handlungsanleitung mit Vollschutzanzug, P3-Maske, Befeuchtung und sortenreiner Big-Bag-Entsorgung. Schwachgebundene Materialien (Spritzasbest, Floor-Flex, Nachtspeicher) sind ausnahmslos Fachbetrieb-Pflicht.
Wie unterscheide ich festgebundenen von schwachgebundenem Asbest?
Festgebunden: Eternit-Wellplatten, Asbestzement-Fassadenplatten, asbesthaltige Fliesenkleber. Hier sind die Fasern in Zementmatrix gebunden — Asbest wird erst beim Brechen/Schneiden freigesetzt. Schwachgebunden: Spritzasbest, Floor-Flex-Platten, Nachtspeicheröfen-Speicherstein, Asbest-Pappe, asbesthaltige Brandschutzplatten. Hier ist Asbest porös eingelagert und gibt Fasern bereits bei mechanischer Berührung frei.
Wer haftet, wenn ich Asbest unbeabsichtigt freisetze?
Beim Eigenheim haftet der Eigentümer — sowohl arbeitsschutzrechtlich (für Helfer, Familienmitglieder), als auch zivilrechtlich (für Nachbarn, Mieter). Bei Gewerbeobjekten greift zusätzlich die GefStoffV mit potenziellen Bußgeldern bis 50.000 €. Bei zertifizierten Fachbetrieben wie KACE Concepts trägt der Betrieb das Haftungsrisiko, dokumentiert TRGS-519-konforme Durchführung und liefert Begleitscheine als Nachweis.
Fazit
Asbest in Bestandsbauten zwischen 1950 und 1995 ist die Regel, nicht die Ausnahme. Wer modernisiert, abreißt oder rückbaut, sollte vorab eine Schadstoff-Voruntersuchung einplanen — sie kostet wenig und erspart später Bauverzögerungen, Bußgelder und gesundheitliche Risiken. Die Asbestsanierung selbst gehört in die Hände eines TRGS-519-zertifizierten Fachbetriebs.
Wenn Sie konkreten Verdacht haben oder eine Voruntersuchung planen wollen: rufen Sie uns einfach an oder nutzen Sie das Kontaktformular. Eine erste Einschätzung am Telefon kostet nichts — und kann viel sparen.
