Was sind PAK und warum sind alte Parkettkleber gefährlich?
PAK ist die Abkürzung für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe — eine Stoffgruppe von mehreren hundert chemisch verwandten Verbindungen, die bei unvollständiger Verbrennung organischer Stoffe entstehen. Im Bauwesen kommen PAK vor allem dort vor, wo Steinkohleteer als Bindemittel eingesetzt wurde: in alten Dachbahnen, Schwarzanstrichen, Korkdämmungen und — Schwerpunkt dieses Beitrags — in Parkettklebern aus Steinkohleteerpech, umgangssprachlich „Schwarzklebstoffe" genannt.
Die toxikologisch relevante Leitsubstanz heißt Benzo[a]pyren (BaP). Sie wird von der EU als krebserzeugend (Kategorie 1B), erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Die Belastung in Innenräumen entsteht weniger durch Hautkontakt im Alltag als durch das Ausgasen flüchtiger PAK-Bestandteile in die Raumluft und durch Faser- und Staubfreisetzung bei mechanischer Bearbeitung — also genau dann, wenn jemand das alte Parkett herausreißt oder schleift, ohne die Belastung zu kennen.
Wer in einem betroffenen Altbau eine Modernisierung plant, sollte das Thema parallel zur Schadstoffsanierung im Überblick klären — PAK-Kleber tritt häufig zusammen mit weiteren Altlasten der gleichen Bauphase auf, etwa Floor-Flex-Platten im Nebenraum oder Asbest-Spachtelmassen an Wänden und Decken.
Wo wurden Steinkohleteer-Kleber typischerweise verbaut?
Die klassische Verbau-Zeit liegt zwischen ca. 1955 und 1985. In dieser Phase war Steinkohleteerpech ein günstiges, wasserabweisendes und vergleichsweise standfestes Klebebett für Holzböden. Verwendet wurde es vor allem in zwei Konstellationen:
- Stäbchenparkett auf Holzbrettlage — die Stäbchen wurden in eine ca. 2–4 mm starke Teerpech-Schicht gelegt, die Brettlage darunter klebte oft selbst auf bituminösem Voranstrich.
- Mosaikparkett auf Estrich — kleine quadratische oder rechteckige Holzstäbe in matrixartigem Verlegemuster, vollflächig in den schwarzen Kleber gedrückt.
In der Region Stuttgart trifft man die Materialkombination häufig in Reihenhaus-Siedlungen der 1960er — etwa in Stuttgart-Vaihingen, Stuttgart-Bad Cannstatt oder in Ludwigsburg-Oßweil — sowie in Mehrfamilienhäusern aus den 1970ern in Kornwestheim, Fellbach oder Esslingen. Auch Verwaltungsbauten und Schulgebäude der gleichen Epoche sind regelmäßig betroffen.
Bei vermeintlich frisch sanierten Wohnungen lohnt sich ein zweiter Blick: Häufig wurde das alte Parkett nur geschliffen und überlackiert — der PAK-haltige Kleber liegt unverändert unter dem sichtbaren Holz und wird erst beim nächsten Bodenwechsel relevant.
Wie erkennt man PAK-haltige Parkettkleber?
Die Sichtdiagnose liefert einen begründeten Verdacht, ersetzt aber niemals die Laboruntersuchung. Typische Merkmale:
- Schwarz-bräunliche Klebstoffschicht unter dem Parkett, meist 1–4 mm dick, manchmal glänzend, oft krümelig spröde.
- Charakteristischer Teergeruch — vergleichbar mit frisch verlegtem Straßenbelag oder altem Bahnschwellen-Holz, intensiv wenn die Fläche angewärmt wird.
- Bauphase 1955–1985, hellere Klebebetten ab Mitte der 80er sind meist bitumenhaltig oder synthetisch und PAK-arm.
- Unter Stäbchen- oder Mosaikparkett, seltener unter Diele oder Massivbrett.
Ein heller, gelb-bräunlicher Kleber unter dem Parkett spricht eher für einen Knochenleim oder Kunstharzkleber — diese Klebebetten sind in der Regel PAK-frei, können aber andere Probleme bergen (Lösemittel, Formaldehyd). Sicherheit bringt nur eine Materialprobe durch ein akkreditiertes Labor — wir vermitteln den Kontakt zum Sachverständigenbüro im Rahmen unserer Vor-Ort-Begehung. Mehr Hintergrund zu Erkundungspflicht und Probennahme im Beitrag Schadstoffgutachten — wann ist es Pflicht?.
Wie läuft die fachgerechte Sanierung ab?
Die Arbeiten richten sich nach TRGS 524 (Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen) und der Gefahrstoffverordnung. In der Praxis hat sich folgender Ablauf bewährt:
- Vorbereitung Schutzbereich. Möbel raus, angrenzende Räume abdichten, Lüftungs- und Heizungsöffnungen verschließen. Bei größeren Flächen wird — ähnlich wie bei der Asbestsanierung — eine Schwarz-Weiß-Trennung mit Personenschleuse und Unterdruckhaltung eingerichtet, damit PAK-belasteter Staub nicht in die Wohnumgebung wandert.
- Manueller Ausbau Parkett. Die Holzstäbchen werden mechanisch vom Untergrund gelöst und unmittelbar in zugelassene Big-Bags oder dichte Behälter verpackt. Der Schichtaufbau (Holz, Klebstoff, Estrich oder Brettlage) wird sauber dokumentiert.
- Klebstoffreste abtragen. Die Teerpech-Reste werden mit Verfahren entfernt, die eine zugelassene Direkt-Absaugung am Werkzeug voraussetzen — etwa Fräsen, Schleifen oder mechanisches Abstemmen mit angeschlossenem H-Klasse-Sauger. Strahlverfahren mit feuchtem Granulat oder Trockeneis sind je nach Untergrund eine Alternative. Trockenes Schleifen ohne Absaugung ist ausgeschlossen.
- Estrich-Probe. Wenn der Verdacht besteht, dass PAK in den Estrich migriert ist (häufig bei dicken Klebebetten und porösen Untergründen), wird eine Tiefenprobe entnommen. Bei positivem Befund muss auch die obere Estrichschicht abgetragen werden.
- Entsorgung als gefährlicher Abfall. PAK-haltige Materialien gehen unter dem AVV-Schlüssel 17 03 01* in die Entsorgung — gefährlicher Abfall mit Begleitschein-Pflicht über die elektronische Abfallnachweisverordnung (eANV). Vermischung mit normalem Bauschutt ist unzulässig.
- Freimessung und Übergabe. Nach Abschluss kontrolliert ein Sachverständigenbüro die Raumluft auf PAK-Konzentration und die Oberflächen auf Restbelastung. Erst nach schriftlicher Freigabe wird der Boden neu aufgebaut.
Während der gesamten Arbeiten tragen unsere Mitarbeiter P3-Atemschutz, Schutzanzug Kategorie III und führen eine saubere Schwarz-Weiß-Disziplin am Übergang zwischen Sanierungs- und Wohnbereich. Mehr zum Gesamt-Leistungsumfang siehe Schadstoffsanierung.
Was kostet eine PAK-Sanierung in Stuttgart?
Pauschalpreise sind unseriös — der Aufwand hängt vom konkreten Bodenaufbau, von der Klebstoffmenge und vom Untergrund ab. Realistische Richtwert-Spannen für die Region Stuttgart:
| Bodenaufbau | Richtwert pro m² Bodenfläche |
|---|---|
| Mosaikparkett auf Estrich, dünner Kleber | 60–95 €/m² |
| Stäbchenparkett auf Holzbrettlage | 80–130 €/m² |
| Stäbchenparkett mit dicker Klebschicht und PAK-Migration in Estrich | 110–160 €/m² |
| Aufschlag bei Schwarz-Weiß-Trennung mit Personenschleuse | + 10–25 €/m² |
In den Spannen sind Schutz-Aufbau, Demontage, Klebstoffabtrag mit Direkt-Absaugung und Entsorgung als gefährlicher Abfall enthalten — nicht Estrichabtrag, neuer Bodenaufbau und Sachverständigenkosten. Probekosten liegen typischerweise zwischen 100 und 250 € pro Probestelle. Verbindlich wird der Preis nach unserer Vor-Ort-Begehung mit Probennahme.
Wer parallel über einen Komplettrückbau nachdenkt, findet im Beitrag Hausabbruch in Stuttgart — Kosten und Faktoren eine Einordnung in den Gesamtkostenrahmen.
Häufige Fragen zur PAK-Sanierung (FAQ)
Sind alle schwarzen Parkettkleber gefährlich?
Nein — nicht jeder dunkle Kleber ist automatisch PAK-belastet. Bitumen-basierte Kleber ab Mitte der 1980er enthalten in der Regel deutlich weniger PAK, einige sind synthetisch und faktisch unbelastet. Sicherheit gibt nur die Materialprobe durch ein akkreditiertes Labor — Sicht und Geruch reichen für eine seriöse Beurteilung nicht aus.
Darf ich PAK-haltiges Parkett selbst entfernen?
Wir raten davon ab. Anders als bei manchen fest gebundenen Asbestmaterialien gibt es bei PAK-Klebern keine sinnvolle Eigenleistungs-Ausnahme: Sobald geschliffen, gestemmt oder gefräst wird, entstehen feine Stäube mit Benzo[a]pyren-Anteil, die ohne Direkt-Absaugung und P3-Atemschutz die gesamte Wohnung kontaminieren. Die Entsorgung als gefährlicher Abfall (AVV 17 03 01*) ist privat ohnehin kaum darstellbar.
Wie lange dauert die PAK-Sanierung einer Wohnung in Stuttgart?
Für eine durchschnittliche Wohnung mit 60–90 m² Holzbodenfläche rechnen wir mit drei bis sieben Werktagen reiner Sanierungsdauer — plus Vorlauf für Probennahme, Gutachten und Schutzaufbau. Bei zusätzlich erforderlichem Estrichabtrag verlängert sich die Bauzeit um zwei bis vier Werktage.
Welcher Container für PAK-Bauschutt?
PAK-haltige Klebstoffreste, das verklebte Parkett und gegebenenfalls der oberste Estrichanteil sind gefährlicher Abfall und gehen nicht in den normalen Bauschutt-Container. Wir setzen je nach Menge dichte Big-Bags, abgedeckte Spezialcontainer oder verschließbare Kunststoff-Behälter ein und rechnen die Entsorgung über elektronischen Begleitschein (eANV) ab. Die Abfallbehandlungsanlage muss für AVV 17 03 01* zugelassen sein.
Muss ich die PAK-Sanierung beim Regierungspräsidium anzeigen?
Eine Anzeigepflicht analog zu TRGS 519 (Asbest) existiert für PAK in dieser Form nicht. Trotzdem unterliegen die Arbeiten der Gefahrstoffverordnung und der TRGS 524, mit Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung, zur arbeitsmedizinischen Vorsorge und zur Dokumentation. Bei sehr großen Mengen oder gewerblichen Bauvorhaben kann die zuständige Aufsichtsbehörde im Einzelfall zusätzliche Anforderungen stellen — wir klären das im Vorfeld.
Festpreis-Termin in Stuttgart, Ludwigsburg, Kornwestheim
PAK-Sanierung gehört in fachlich saubere Hände — wegen der Krebsgefahr durch Benzo[a]pyren, wegen der Entsorgungspflicht als gefährlicher Abfall und wegen der Folgekosten, wenn Staub einmal in die Wohnumgebung getragen wurde. Unsere Mitarbeiter sind TRGS 519 Sachkunde, TRGS 519 Nr. 2.16 Gerätefachkunde und TRGS 521 Fachkunde geschult; die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft Bau läuft unter der Mitgliedsnummer 5244 6035 9205 002 und ist öffentlich prüfbar.
Wir kommen kostenfrei zu Ihrem Objekt in Stuttgart, Ludwigsburg, Kornwestheim, Fellbach, Esslingen und im 50-km-Radius, sichten den Bodenaufbau, organisieren die Materialprobe im akkreditierten Labor und legen ein nachvollziehbares Festpreis-Angebot vor. Den Leistungsumfang sehen Sie auf der Seite Schadstoffsanierung — Anfragen am einfachsten über unser Kontaktformular, telefonisch oder per WhatsApp.
Eine erste Einschätzung kostet nichts — und spart später teure Überraschungen beim Bodenaufbau.