Kurzfassung
PCB (polychlorierte Biphenyle) steckt in Gebäuden vor allem in dauerelastischen Fugenmassen und Anstrichen und ist in Deutschland seit 1989 verboten. In Baden-Württemberg gilt Raumluft unter 300 ng PCB/m³ als langfristig tolerabel, über 3.000 ng/m³ sind unverzüglich Maßnahmen nötig. Die Sanierung richtet sich nach TRGS 524 — Gewissheit gibt nur eine Laboranalyse.
Was ist PCB und warum ist es gefährlich?
Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind chlorierte organische Verbindungen. Wegen ihrer Stabilität wurden sie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen sowie in Transformatoren und Kondensatoren eingesetzt. In Deutschland sind PCB seit 1989 verboten (Umweltbundesamt).
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft PCB als krebserzeugend für den Menschen (Gruppe 1) ein. PCB zählen zu den langlebigen organischen Schadstoffen: Sie werden kaum abgebaut und reichern sich in der Umwelt an. In Gebäuden ist die Raumluft der wichtigste Belastungspfad — PCB gasen aus belasteten Bauteilen aus, auch Jahrzehnte nach dem Einbau.
Wo steckt PCB in Gebäuden?
Die PCB-Richtlinie Baden-Württemberg nennt als offene Anwendungen seit den 1950er-Jahren vor allem diese Bauprodukte:
- Dauerelastische Fugendichtungsmassen — Gebäudetrennfugen, Bewegungsfugen zwischen Betonfertigteilen, Anschlussfugen an Fenstern und Türzargen, Glasanschlussfugen. Laut Richtlinie eine der häufigsten Anwendungen, oft als „Thiokol-Fugenmassen" bezeichnet.
- Anstrichstoffe und Beschichtungen.
- Deckenplatten, in denen PCB als Weichmacher oder Flammschutzmittel diente.
- Klebstoffe, Kunststoffe und Kabelummantelungen.
- Kondensatoren von Leuchtstoffleuchten — eine geschlossene Anwendung, die beim Rückbau als PCB-haltiger Abfall anfällt.
Die Richtlinie unterscheidet Primärquellen — Produkte, denen PCB gezielt zugesetzt wurde, meist mit mehr als einem Gewichtsprozent — von Sekundärquellen: Wände, Decken, Teppiche oder Mobiliar, die PCB über Jahre aus der Raumluft aufgenommen haben und wieder abgeben. Auch die TRGS 524 zählt die Sanierung solcher Sekundärquellen zu den Tätigkeiten mit Gebäudeschadstoffen.
Liegen PCB-Fugen an Asbestzementplatten, etwa zwischen Fassadenelementen, gelten TRGS 524 und TRGS 519 nebeneinander. Woran Sie asbestverdächtige Bauteile erkennen, zeigt der Ratgeber Asbest im Altbau erkennen.
Ab welchem PCB-Wert in der Raumluft muss saniert werden?
Maßstab ist in Baden-Württemberg die PCB-Richtlinie (Fassung September 1994). Sie bewertet die Raumluftkonzentration in drei Stufen:
| PCB in der Raumluft | Bewertung nach PCB-Richtlinie BW |
|---|---|
| unter 300 ng/m³ | langfristig tolerabel (Vorsorgewert) |
| 300 bis 3.000 ng/m³ | Quelle aufspüren und nach Möglichkeit beseitigen oder die Belastung senken, etwa durch Lüften und gründliche Reinigung; Zielwert unter 300 ng/m³ |
| über 3.000 ng/m³ | Kontrollanalysen; bei Bestätigung unverzüglich Maßnahmen zur Senkung; Zielwert unter 300 ng/m³ (Sanierungsleitwert) |
Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte hat 2025 deutlich niedrigere gesundheitsbezogene Richtwerte abgeleitet: Richtwert I (Vorsorge) 80 ng/m³ und Richtwert II (Gefahr) 800 ng/m³ (Bundesgesundheitsblatt 2025). Welcher Maßstab im Einzelfall angelegt wird, klärt das Gutachten — die Richtlinie aus Baden-Württemberg ist deutlich älter als die neuen Richtwerte.
PCB im Gebäude — Eckdaten
- Verbot in Deutschland
- seit 1989 (Umweltbundesamt)
- Einstufung
- krebserzeugend für den Menschen, IARC Gruppe 1
- Raumluft, PCB-Richtlinie BW
- unter 300 ng/m³ tolerabel, über 3.000 ng/m³ unverzüglich handeln
- Richtwerte Innenraumluft 2025
- RW I 80 ng/m³, RW II 800 ng/m³
- Regelwerk
- TRGS 524, Ausgabe Juli 2026 — PCB-haltige Bauprodukte sind Gebäudeschadstoffe
- Abfall
- PCB-haltige Bau- und Abbruchabfälle, AVV 17 09 02*
Wie läuft eine PCB-Sanierung nach TRGS 524 ab?
- Erkundung und Schadstoffkataster. Bauunterlagen sichten, Objekt begehen, Materialproben und Raumluftmessung durch ein akkreditiertes Labor. Wann eine solche Voruntersuchung Pflicht ist, klärt der Beitrag Schadstoffgutachten — wann ist es Pflicht?.
- Gefährdungsbeurteilung durch eine fachkundige Person. Ohne sie dürfen Tätigkeiten mit Gebäudeschadstoffen nicht beginnen (TRGS 524 Nr. 3.1). Sie legt Abschottung, Absaugung und persönliche Schutzausrüstung fest.
- Primärquellen entfernen. Für eine dauerhafte Sanierung kommt laut PCB-Richtlinie in der Regel nur das Entfernen der Primärquellen in Betracht, in Einzelfällen ihre räumliche Trennung durch feste Bauteile. Die Fugenmasse wird mit staubarm arbeitenden Werkzeugen oder von Hand entfernt. Beschichten hat sich bei Primärquellen nicht bewährt, eine Heißbehandlung von Oberflächen unterbleibt.
- Sekundärquellen bewerten. Sinkt die Raumluft danach nicht unter 300 ng/m³, sind auch belastete Wände, Decken oder Gegenstände zu sanieren — durch Abtrennen, Beschichten oder Entfernen.
- Entsorgung. PCB-haltige Bau- und Abbruchabfälle sind gefährlicher Abfall (AVV 17 09 02*) und werden getrennt verpackt und mit Nachweis entsorgt.
- Erfolgskontrolle. Nach der Sanierung sollte die PCB-Konzentration in der Raumluft den Sanierungsleitwert von 300 ng/m³ unterschreiten — das belegt eine abschließende Messung.
Was kostet eine PCB-Sanierung?
Einen seriösen Preis gibt es erst nach Materialprobe und Begehung. Die wichtigsten Kostenfaktoren:
- Länge und Zugänglichkeit der Fugen — Treppenhaus, Fassade in der Höhe oder Fensteranschlüsse im bewohnten Bestand.
- Sekundärquellen — ob nach dem Entfernen der Fugen auch Wände, Decken oder Bodenbeläge saniert werden müssen.
- Schutzmaßnahmen laut Gefährdungsbeurteilung, von der Abschottung bis zur Absaugung.
- Analysen vor und nach der Sanierung.
- Entsorgungsmenge als PCB-haltiger Abfall.
- Randbedingungen wie eine Sanierung im laufenden Betrieb bei Schulen, Verwaltungen oder Gewerbe.
Ein verbindlicher Festpreis folgt bei uns nach der kostenfreien Vor-Ort-Begehung.
Wer darf PCB sanieren?
Nach der TRGS 524 darf die Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gebäudeschadstoffen nur eine fachkundige Person erstellen (Nr. 3.1 Abs. 5). Welche Kenntnisse dafür nötig sind, beschreibt Anlage 2B. Auftraggeber sind verantwortlich, nur Fachbetriebe heranzuziehen, die über Fachkenntnisse, personelle und sicherheitstechnische Ausstattung und Erfahrung verfügen (Nr. 3.2.2).
Bei KACE Concepts erstellt Geschäftsführer Ensar Asci die Gefährdungsbeurteilung — er hat den Fachkunde-Lehrgang nach TRGS 524 Anlage 2B im Juli 2026 mit Prüfung abgeschlossen. Alle Nachweise finden Sie unter Zertifikate und Nachweise. Was die Neufassung der TRGS 524 für Bauherren ändert, erklärt der Beitrag TRGS 524 neu gefasst.
Häufige Fragen zur PCB-Sanierung
Ab welchem PCB-Wert in der Raumluft muss saniert werden?
Nach der PCB-Richtlinie Baden-Württemberg gilt Raumluft unter 300 ng PCB/m³ als langfristig tolerabel. Zwischen 300 und 3.000 ng/m³ soll die Quelle aufgespürt und nach Möglichkeit beseitigt werden. Über 3.000 ng/m³ sind nach einer Kontrollanalyse unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen. Zielwert jeder Sanierung sind weniger als 300 ng/m³.
Ist PCB krebserzeugend?
Ja. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft PCB als krebserzeugend für den Menschen ein (Gruppe 1). PCB sind zudem langlebig und reichern sich in der Umwelt an. Deshalb ist PCB in Deutschland seit 1989 verboten.
Wie erkenne ich PCB-haltige Fugen?
Optisch gar nicht sicher. Verdächtig sind dauerelastische Fugenmassen zwischen Betonfertigteilen, an Fenster- und Türanschlüssen oder an Gebäudetrennfugen in Gebäuden, die vor dem Verbot 1989 errichtet oder saniert wurden. Gewissheit bringt nur eine Materialprobe im akkreditierten Labor, ergänzt um eine Raumluftmessung.
Darf ich PCB-Fugen selbst entfernen?
Wir raten davon ab. Nach der TRGS 524 setzen Tätigkeiten mit PCB-haltigen Bauprodukten eine Gefährdungsbeurteilung durch eine fachkundige Person voraus, und PCB-haltige Abfälle sind gefährlicher Abfall (AVV 17 09 02*). Unsachgemäßes Arbeiten kann die Belastung in angrenzende Bauteile und Räume verschleppen.
Wie wird PCB-Abfall entsorgt?
PCB-haltige Bau- und Abbruchabfälle tragen den Abfallschlüssel AVV 17 09 02* und sind gefährlicher Abfall. Sie werden getrennt von anderem Bauschutt verpackt und über eine dafür zugelassene Anlage entsorgt; Begleit- und Wiegescheine dokumentieren den Weg.
Fazit
PCB steckt in vielen Gebäuden, die vor 1989 gebaut oder saniert wurden — meist unsichtbar in Fugen, Anstrichen oder Deckenplatten. Maßstab für die Bewertung ist die Raumluft, Maßstab für die Ausführung die TRGS 524. Eine Laboranalyse vor Beginn verhindert, dass PCB beim Umbau in angrenzende Räume verschleppt wird.
Wenn Sie PCB vermuten oder eine Sanierung planen, vereinbaren Sie eine kostenfreie Vor-Ort-Begehung. Den gesamten Leistungsumfang finden Sie auf der Seite Schadstoffsanierung.
Begriffe in „PCB-Sanierung in Stuttgart nach TRGS 524: Materialien, Kosten, Ablauf"
- PCB (Polychlorierte Biphenyle)
- Organische Chlorverbindungen, in Deutschland bis 1989 in Fugendichtungen, Dauerelastikfugen, Anstrichen und Kondensatoren verwendet. Von der IARC als krebserzeugend für den Menschen eingestuft (Gruppe 1), persistent in der Umwelt. Tätigkeiten mit PCB-haltigen Bauprodukten regelt die TRGS 524; die Raumluft bewertet in Baden-Württemberg die PCB-Richtlinie (Zielwert unter 300 ng/m³).Zu unserer Leistung →Im Ratgeber →Wikidata
- TRGS 524
- Technische Regel für Gefahrstoffe — Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen (Ausschuss für Gefahrstoffe, Neufassung Juli 2026, GMBl 2026 S. 385). Gilt unter anderem für Tätigkeiten mit Gebäudeschadstoffen wie PAK, PCB und Holzschutzmitteln. Die Gefährdungsbeurteilung darf nur eine fachkundige Person erstellen; Anlage 2B beschreibt die Fachkunde für Gebäudeschadstoffe.Zu unserer Leistung →Im Ratgeber →
- Begleitschein
- Elektronischer Nachweis nach Nachweisverordnung (NachwV) für die Entsorgung gefährlicher Abfälle (z.B. asbesthaltige Bauabfälle nach Abfallschlüssel 17 06 05*). Begleitschein dokumentiert den Weg vom Erzeuger über den Transporteur zur Entsorgungsanlage. Pflichtbestandteil unserer Übergabe-Dokumentation an den Bauherrn.Im Ratgeber →
